Galerie Amarali Mischlingsboas USA - Fehlinfo

Amarali Mischlingsboas USA - Fehlinfo

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Die brasilianischen Kurzschwanzboas (Boa c. amarali) kommen in den Savannen des Bundesstaates Sao Paolo und im Pantanal, das südlich der Serra dos Parecis liegt, vor. Das zentrale Hochland der Serra dos Parecis bildet die südliche Grenze des brasilianischen Amazonasbeckens, dem Verbreitungsgebiet von Boa c. constrictor.

Die Serra dos Parecis stellt eine natürliche Barriere dar, welche die Riesenschlangen nicht überwinden können. Aus diesem Grund kommen Mischformen der beiden Unterarten in Brasilien nicht vor.

Das Verbreitungsgebiet der brasilianischen Kurzschwanzboas wiederum ist zweigeteilt, da Sao Paolo zum Landesinneren hin von Bergland umgeben ist. Dieses bildet eine natürliche Barriere zum Pantanal. Insofern sind die Kurzschwanzboas aus den Savannen des Bundesstaates Sao Paolo weitgehend von den Boa c. amarali im Pantanal isoliert.

Auf dieser topografischen Karte von Brasilien ist deutlich zu sehen, dass die Sao Paolo Variante von Boa c. amarali durch Bergland sowohl von der Pantanal Variante der Kurzschwanzboa als auch von Boa c. constrictor isoliert ist.  Auch die Pantanal Variante ist durch Bergland von Boa c. constrictor isoliert.

Schon aus diesem Grund ist es nicht vorstellbar, dass in Bolivien Kurzschwanzboas mit dem Aussehen der Sao Paolo Tiere vorkommen, zumal noch das gesamte Verbreitungsgebiet des Pantanal dazwischen liegt.

Durch die Abgeschlossenheit der Verbreitungsgebiete ist es zudem ausgeschlossen, dass im Süden Brasiliens Kurzschwanzboas mit der Optik einer Boa c. constrictor vorkommen. Dies ist nur bei Bolivianischen Boa c. amarali (Fotos sehen Sie am Ende der Seite) der Fall, weil hier kein natürliches Hindernis zum Verbreitungsgebiet von Boa c. constrictor existiert.

Die brasilianischen Kurzschwanzboas gehören zu den weniger farbenprächtigen Vertretern der Abgottschlangen und unterscheiden sich im Gegensatz zu ihren (Unter-) Artgenossen aus Bolivien sehr deutlich von Boa c. constrictor.

In der Terraristik hat sich für die Brasilianischen Amarals Boas aus der Region Sao Paolo der Name „Silverbacks“ eingebürgert. Diese Bezeichnung stammt aus den USA und wurde zunächst nur für hellgraue (silbergraue) Exemplare benutzt, dann in Europa allmählich für alle anderen Kurzschwanzboas aus der Region Sao Paolo übernommen. Dies, obwohl die meisten Tiere dunkelgrau oder bräunlich und nicht silbergrau gefärbt sind.

In Europa wird nach unserem Kenntnisstand nur die Sao Paolo Variante der brasilianischen Boa c. amarali gehalten. Die einzige Europäische Quelle für solche Tiere lag lange Zeit in Dänemark, daher die Bezeichnung „Dänische Blutlinie“.

Brasilianischen Kurzschwanzboas aus dem im Süden von Brasilien liegenden Bundesstaat Sao Paolo gehören zu den wenigen Vertretern von Boa constrictor, die aufgrund ihrer Optik zweifelsfrei einer bestimmten Region zugeordnet werden können.  

Das hat folgende Gründe:

  1. Die Herkunft der so genannten „Dänischen Blutlinie“ von Boa c. amarali aus der Region Sao Paulo/Brasilien ist verifiziert und ihr Aussehen vielfach dokumentiert
     
  2. Diese Tiere haben ein typisches, unverwechselbares Äußeres
     
  3. Im Jahr 2003 hatten wir das Glück, eine der ersten legalen Farmnachzuchten von Boa c. amarali aus der Region von São Paulo/Brasilien zu erhalten. Die importierten Kurzschwanzboas sind die exakten Ebenbilder der Exemplare aus der Dänischen Blutlinie. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass die Tiere aus diesem Verbreitungsgebiet in ihrem Äußeren nicht sehr variabel sind.

1. USA Boa c. amarali - Bolivien vs. Brasilien
Umso mehr verwundert es, dass auf US - Amerikanischen Boa constrictor Internetseiten häufig Kurzschwanzboas, deren Aussehen keinen Zweifel daran lässt, dass ihre Vorfahren aus der Gegend um Sao Paolo/Brasilien stammen, als „Bolivian Amaralis“ bezeichnet werden.

Bereits im Jahr 1999 bekamen wir Zweifel an dieser Einstufung der amerikanischer Boa constrictor Halter und kontaktierten deshalb einen uns bekannten Bolivianischen Herpetologen, Francis C. Vasquez, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Vasquez hatte zusammen mit einigen Kollegen im Rahmen eines Projektes für den Artenschutz an vier verschiedenen Orten in Bolivien ungefähr 600 Boa c. amarali gesammelt. Das macht ihn in unseren Augen zu einem kompetenteren Ansprechpartner, als Amerikanische Boa constrictor Halter und Züchter.

Wir schickten damals Vasquez Fotos von "Silverbacks" aus der Dänischen Blutlinie und baten ihn um seine Einschätzung.

Er antwortete uns, dass keine der von ihm gesammelten Bolivianischen Amarals Boas so ausgesehen hatte, wie die Exemplare auf den Fotos, die wir ihm zukommen ließen.

Diese Auskunft verwundert auch nicht wenn man bedenkt, dass zwischen Sao Paolo und dem Verbreitungsgebiet von Boa c. amarali in Bolivien mehr als 1000 km liegen. Ein identisches Äußeres ist schon aufgrund der großen Entfernung völlig unmöglich. Zudem ist – wie bereits erwähnt - die Sao Paolo Region zum Landesinneren hin von einer Gebirgskette umgeben, die eine natürliche Barriere gegen das Verbreitungsgebiet weiter westlich darstellt.

Wie kam es nun dazu, dass die Brasilianischen Kurzschwanzboas aus der Sao Paulo Region in den USA als Bolivianische Amaralis bezeichnet werden?

Die Antwort ist im Kapitel über die Geschichte der Haltung von bolivianischen Boa c. amarali in den USA des Buches „The Complete Boa Constrictor“ des bekannten US – Züchters Vincent Russo zu finden. Dort steht geschrieben, man NIMMT AN, dass das Männchen, dass 1986 den Grundstein für die Amarali - Nachzuchten in den USA legte, aus einer Importlieferung von ca. 40 Tieren stammte, die 1982 aus Bolivien kam. Annehmen heißt, man weiß es nicht genau.

Wie weiter zu lesen ist, wurden die damals eingeführten Tiere durch Belieferung des Zoohandels in alle Winde zerstreut. Es kann davon ausgegangen werden, dass die meisten als Haustierboas endeten und bestenfalls für die Mischlingszucht verwendet wurden.

2. USA Boa c. amarali
Die Kurzschwanz / Rotschwanz  Mixboas
Nun stellt sich natürlich die Frage, was die Amerikaner dann als brasilianische Boa c. amarali präsentieren, wenn sie die „richtigen“ fälschlicherweise dem Nachbarland Bolivien zuordnen.

Klickt man entsprechende Fotos im Internet an, so erscheinen rotschwänzige Tiere mit heller Färbung. Diese werden als „South Brazilian Amarali“ (Südbrasilianische Amarali) bezeichnet und unterscheiden sich optisch kaum oder gar nicht von Boa c. constrictor. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn es sind teilweise Boa c. constrictor, aber häufig auch Mischlinge (mehr dazu gleich) zwischen Boa c. constrictor und Boa c. amarali. Bei den meisten dieser Tiere erkennt man schon am viel zu langen Schwanz, dass es sich hier nicht um Boa c. amarali handeln kann.

Besonders bekannt ist die Blutlinie des inzwischen verstorbenen US - Züchters Lloyd Lemke. Seine Tiere haben als Brasilianische Kurzschwanzboas großen Ruhm in den USA erlangt. Leider hat die Sache einen Haken: Eine Bestimmung nach der Anzahl der dorsalen Schuppenreihen, durchgeführt von (nein, nicht von uns!) den amerikanischen Boa constrictor Spezialisten Dennis Sargent und Jim Pomaville outete diese Tiere als Boa c. constrictor.

Wer uns kennt weiß, dass wir der Schuppen- und Sattelfleckenzählerei eher skeptisch gegenüber stehen, da bei Festlegung des Normbereiches für eine bestimmte Unterart immer nur eine sehr begrenzte Anzahl von Exemplaren untersucht wurde.

In diesem Fall haben wir jedoch keine Zweifel an der Feststellung von Sargent und Pomaville, denn so helle rotschwänzige, „Boa c. constrictor – mäßig“ aussehende Tiere inmitten des Verbreitungsgebietes der „Silverbacks“ wäre ungefähr so logisch wie die Existenz rothaariger Weißer in einem Kral afrikanischer Nomaden im Kongo.

Wie uns ein US - Insider unter vorgehaltener Hand mitteilte, haben nicht wenige Züchter in den USA schon vor Jahren „South Brazilian Amaralis“ (also in Fakt Boa c. constrictor) mit reinrassigen Amaralis verpaart. Dies geschah teilweise aus einer Fehleinschätzung heraus, der sie bis heute noch anhängen, aber auch um den an fehlender Farbenpracht leidenden Kurzschwanzboas ein „Face Lifting“ zuteil werden zu lassen.

"An den Schwänzen werdet ihr sie erkennen..."
So kommt es, dass in den USA und mittlerweile durch entsprechende Importe leider auch bei uns viele Boa c. constrictor / Boa c. amarali Mischlinge auf dem Markt sind. Fotos von Würfen solcher Tiere zeigen wunderschöne „Rotschwanzboas“, von denen ein Teil der Jungen einen kurzen, der andere Teil einen langen Schwanz hat, je nachdem ob die Erbmasse von Boa c. amarali oder die von Boa c. constrictor durchschlägt. Deshalb sollte man sich die Schwanzlänge der Babys in einem Wurf genau ansehen und vergleichen. Das ist zwar keine Garantie, aber eine wertvolle Hilfe.

Fazit:
Bei den aus den USA stammenden so genannten "South Brazilian Amaralis" - in Deutschland "Südbrasilianische Amaralis" genannt - ist also sowohl durch die Färbung als auch durch die Schwanzlänge bewiesen, dass es sich bei diesen Tieren nicht um das handelt, als was sie vermarktet werden.

Es ist mittlerweile fast unmöglich geworden, in den USA Kurzschwanzboas ohne Boa c. constrictor Gen - Anteil oder richtig deklarierte Boa c. amarali zu erhalten. Einer der letzten Züchter von richtig deklarierten und rein gezüchteten Boa c. amarali war Bill Edelbrock und der hat sein Hobby schon vor über 10 Jahren aufgegeben.

Fairerweise müssen wir erwähnen, dass es auch in den Vereinigen Staaten Halter und Züchter von Boa constrictor gibt, die schon seit Jahren auf die in diesem Kapitel geschilderte Fehleinstufung hinweisen. Diese guten Leute haben es da drüben nicht einfach. Denn der Wahrheit stehen die wirtschaftlichen Interessen bedeutender US - Züchter entgegen, die an der bewährten Vermarktung der Tiere festhalten wollen. Wir hoffen, dass wir mit diesem Kapitel verhindern können, dass die US – Fehlinformation auch hierzulande Fuß fasst.